Geschichte von Raiffeisen in Österreich

Von der Gründung der ersten Raiffeisenbank in Mühldorf 1886 bis heute.

1886 – 1915 Entstehung von Raiffeisen in Österreich
 

Am 4.12.1886 wurde in Mühldorf die erste Raiffeisenbank im Gebiet des heutigen Österreich gegründet. Damit wurde der erste Schritt zum Aufbau einer erfolgreichen Genossenschaftsbewegung gesetzt.

Zu verdanken hat Mühldorf seine Pionierrolle dem damaligen Bürgermeister Ing. Ernst Vergani (1848-1915), der mit einer Studiengruppe des NÖ Landtages im Jahr 1886 Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Deutschland besuchte und von dessen Idee „Hilfe durch Selbsthilfe“ beeindruckt war.

Im Saal des Gasthauses Wurzer (Gasthaus Hofstätter) fand am 4.12.1886 die Gründungsversammlung statt, an der 94 Bauern, Handwerker und Gewerbetreibende teilnahmen. Sie leisteten alle einen Geschäftsanteil von fünf Gulden. Für manche von ihnen bedeutete dies einen Wochenverdienst. Bürgermeister Ing. Vergani wurde zum ersten Obmann der Raiffeisenkasse gewählt. Kassastunden gab es nur an Sonntagen im Haus des jeweiligen Obmannes.

1898 wurde die erste österreichische Lagerhaus-Genossenschaft in Pöchlarn gegründet. Im selben Jahr entstand nach deutschem Vorbild ein Zentralverband der Genossenschaften, der später den Namen „Allgemeiner Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften in Österreich" erhielt. Dieser „Allgemeine Verband" war Vorläufer des heutigen Österreichischen Raiffeisenverbandes, der seit 1960 unter diesem Namen firmiert.

Zur Wende vom 19. in das 20. Jahrhundert gab es in Österreich bereits 600 Raiffeisenkreditgenossenschaften. Mit der wachsenden Zahl der Raiffeisenkassen wurde der Ruf nach regionalen Liquiditätsausgleichsstellen in den einzelnen Ländern immer lauter. So wurden nach und nach Landeszentralen in den Bundesländern gegründet. In Niederösterreich war dies die 1898 gegründete „Niederösterreichische Genossenschafts-Centralcasse registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ - die Vorgängerin der heutigen Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien).

 

1914 – 1945 Die Weltkriege

Das Wachstum von Raiffeisen wurde durch den Ersten Weltkrieg gebremst. Die Nachkriegsjahre waren durch Hyperinflation, dem Beginn der Weltwirtschaftskrise und der Währungsumstellungen geprägt. Am 16. August 1927 wurde die heutige Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) als „Girozentrale der österreichischen Genossenschaften“ gegründet. Sie hatte die Funktion eines Spitzeninstitutes mit der Aufgabe, einen für ganz Österreich wirksamen Verbund der Landeszentralen der Raiffeisen-Geldorganisation zu verwirklichen. Bis zum Anschluss Österreichs an das Dritte Reich im Jahr 1938 war die finanzielle Eigenständigkeit erreicht und der Aufbau der Bundesländerzentralen großteils abgeschlossen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die österreichische in die deutsche Raiffeisenorganisation eingegliedert.

 

1945 – heute

Nach 1945 griff man auf jene Strukturen zurück, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg geschaffen waren. Vorerst beschränkten sich die Öffnungszeiten der Raiffeisenkassen auf Sonntagvormittag, was ihnen den Namen „Sonntagskasse“ einbrachte. Aufgrund der verstärkten Nachfrage nach Bankdienstleistungen ging man schrittweise zu einem Tages-Geschäftsbetrieb über.

Im Jahr 1961 wurde am Vorabend des Weltspartages die erste Raiffeisenkasse in Wien eröffnet. Eines der ersten Spezialinstitute der Raiffeisen-Bankengruppe (RBG) war die Raiffeisen Bausparkasse, die ebenfalls 1961 ihren Betrieb startete. Weitere Spezialinstitute wurden mit der Raiffeisen-Versicherung AG (1969) und der Raiffeisen Leasing GmbH (1970) gegründet.

Ab den 1970er Jahren verstärkte Raiffeisen sein Engagement im Bereich Sport, Bildung, Kultur und Soziales. Raiffeisen ging dadurch als Pionier völlig neue Wege in der Bankenwerbung. Besonders das Sportsponsoring führte zu einer Steigerung des Bekanntheitsgrades von Raiffeisen.

Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs begann die RZB mit einer zielorientierten Internationalisierung. Um für diese Herausforderung auch in Zukunft bestens gerüstet zu sein, hat die RZB im Jahr 2010 entschieden, wesentliche Teile des Bankbetriebs abzuspalten und in die Raiffeisen International einzubringen. Daraus entstand die nunmehrige Raiffeisen Bank International (RBI).

Im März 2017 erfolgte die Verschmelzung von RZB und RBI. Das fusionierte Unternehmen firmiert unverändert als Raiffeisen Bank International AG und ist an der Wiener Börse gelistet. Die RBI übernahm dabei zur Gänze die Rechte, Pflichten und Aufgaben der übertragenden Gesellschaft RZB.

 

Raiffeisen in Österreich

Raiffeisen Österreich ist ein freiwilliger Verbund, in dem rund 1.500 selbstständige Genossenschaften vereint und föderalistisch organisiert sind. Drei Säulen tragen diesen regional geprägten Verbund von Genossenschaften: Die Verwertungs-Genossenschaften (z.B.: Milchgenossenschaften), die Lagerhaus-Genossenschaften und die Genossenschaften im Bereich Finanzen.

Die Raiffeisen-Bankengruppe mit 473 eigenständigen Raiffeisenbanken bildet die größte Gruppe von Genossenschaften bei Raiffeisen in Österreich. Die Raiffeisenbanken eines Bundeslandes sind die Eigentümer ihrer jeweiligen Landeszentrale. Die Raiffeisenbanken leben das Regionalitätsprinzip und sind der aktive, soziale und wirtschaftliche Förderer der Region und ihrer Menschen. Die Raiffeisenlandesbanken unterstützen in diesem Bereich die Raiffeisenbanken durch eine breite Palette von Beratungs- und Serviceleistungen. Die acht österreichischen Raiffeisenlandesbanken teilen sich die Anteile der RBI, dem Spitzeninstitut der Raiffeisen-Bankengruppe Österreich, wobei die RLB NÖ-Wien den größten Eigentümer stellt.

 

Raiffeisen in Niederösterreich und Wien

Die Raiffeisen-Bankengruppe Niederösterreich-Wien (RBG NÖ-Wien) setzt sich zusammen aus den niederösterreichischen Raiffeisenbanken und der RLB NÖ-Wien.

Die 60 selbstständigen niederösterreichischen Raiffeisenbanken betreuen insgesamt rd. 965.000 Kunden in rund 484 Bankstellen. Sie geben rund 3.000 Personen einen Arbeitsplatz. Mit einem Kundenanteil von 42% ist Raiffeisen die führende Bankengruppe in Niederösterreich. Die RLB NÖ-Wien ist das Spitzeninstitut der Raiffeisen-Bankengruppe NÖ-Wien. Rund 1.176 Mitarbeiter stehen an insgesamt 41 Wiener Standorten ihren Kunden zur Verfügung. Zu ihren Leistungen zählen die strategische und operative Beratung der niederösterreichischen Raiffeisenbanken.

Mit 79,09 % ist die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien Haupteigentümer der RLB NÖ-Wien. 20,91 % stehen im Eigentum der niederösterreichischen Raiffeisenbanken. Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien hat 158 Mitglieder, deren wichtigste Gruppe wiederum die 60 niederösterreichischen Raiffeisenbanken sind.

 

Weiterführende Informationen:

www.raiffeisenverband.at

www.rbinternational.com

www.raiffeisenbank.at